Diskussion: Frei Otto zur Zukunft des Zeltbaus

Skelettbau, Geneigtes Dach, Kunststoff, Glas, Textil, Dächer, Leichte Konstruktionen, 06/2000
Detail: Die theoretischen Grundlagen des ­modernen Membranbaus wurden maßgeblich durch Ihre bereits 1951 begonnenen Arbeiten zur Formfindung bestimmt. Wie kamen Sie ­dazu, sich mit Membranen zu beschäftigen?Otto: Ich bin als Student 1950 für ein?halbes Jahr nach Amerika gegangen und habe verschiedene Architekten wie Mendelsohn, Frank Lloyd Wright, Charles Eames und Eero Saarinen besucht. Dabei bin ich durch Zufall auf den Entwurf Matthew Nowickis für die Raleigh-Arena in North Carolina gestoßen. Das war das erste große Seilnetzdach, ­allerdings nicht vorgespannt, wie ich fälsch­licherweise meinte. Das Gebiet hat mich gereizt, weil ich mich mit dem Leichtbau beschäftigt hatte. Dann habe ich meine Dissertation darüber geschrieben und bin mit dem Zeltbau in Berührung gekommen. Ich habe festgestellt, dass das Zelt auch eine zugbeanspruchte flexible Konstruktion ist und zum Seilnetz grundsätzlich kein Unterschied besteht, weder formal noch konstruktiv. (Interview mit Frei Otto)