In ihrer gut tausendjährigen Geschichte erlebte die Moritzkirche zahlreiche Zerstörungen, Wiederaufbauten und Anpassungen an neue Baustile und Liturgien. Nach der Barockisierung durch Johann Jakob Herkommer erfolgte der letzte größere Eingriff nach dem Zweiten Weltkrieg durch Dominikus Böhm. Danach sorgten weitere Umgestaltungen dafür, dass der Innenraum noch vor wenigen Jahren eher an gebaute Archäologie erinnerte als an eine zeitgemäße Kirche. Für John Pawson bildet genau dieser »Verlust der Klarheit und Kohärenz in der architektonischen Erscheinung« den Ausgangspunkt für die umfassende technische und gestalterische Erneuerung des Gotteshauses. Wie schon beim Ausbau eines Trappistenklosters im böhmischen Nový Dvur stehen auch hier samtig weiße Innenräume, kaum sichtbare Details und eine subtile Lichtregie im Mittelpunkt. So nimmt die Leuchtdichte von den Seitenschiffen über das Hauptschiff bis hin zum Ostchor stetig zu, sodass die Apsis als der mit Abstand hellste Ort im Kirchenraum erscheint. Durch die Hervorhebung der basilikalen Kirchengeometrie und die Verwendung dünn geschnittener Onyx-Scheiben vor den Chorfenstern sehen die Architekten in diesem Bereich den »Ausdruck für die Schwelle zum transzendenten Raum«. Dieses Bild wird verstärkt durch das dort diffus in den Raum fallende Licht, vor allem aber durch die Aufstellung der Figur des segnenden »Christus Salvator« hinter dem monolithischen Altarblock aus portugiesischem Kalkstein. »Gott ist Licht« – dieser biblische Satz wird in der auf das Wesentliche konzentrierten Moritzkirche Wirklichkeit.