Magazin: Wegbereiter der indischen Gegenwartsarchitektur

9/2018
Mit der fortschreitenden kulturellen und wirtschaftlichen Globalisierung verschwinden zunehmend die weißen Flecken auf der Landkarte der Architektur. Viele Länder emanzipieren sich vom Dogma der west­lichen Moderne und besinnen sich zunehmend auf ihre traditionellen Wurzeln. Japan, Lateinamerika, China und zuletzt Afrika entwickeln auch in dieser Disziplin eine eigenständige Identität.

In dieser Serie ist es folgerichtig, dass 40 Jahre seit der Gründung des Pritzkerpreises endlich ein Architekt aus Indien prämiert wird. Der inzwischen 91-jährige Balkrishna Doshi hat – gemeinsam mit Kollegen wie Raj Rewal oder dem 2015 verstorbenen Charles Correa – den Übergang von der aus dem Westen importierten Moderne zu einer sozial engagierten Generation selbstbewusster indischer Architekten maßgeblich mitgeprägt. In seiner Schaffenszeit von sieben Jahrzehnten hat er über 100 Projekte realisiert vom ­kleinen Maßstab des eigenen Atelierhauses bis zu großen Siedlungen für 80 000 Einwohner.